Männliche Bauchredner weiblicher Erfahrungen

Vortrag & Gespräch

Wie werden Autorinnen heute erzählt? Mit welchen Themen sind sie im Diskurs vertreten? Welche Verbindungen werden nicht gezogen? Welchen Narrativen folgen männliche Biografien, welche Weiblichen, bzw. sind Biografien gegendert in der Art, was und wie sie erzählen? Wann ist eine Person biografiewürdig?

Literatur gibt uns die Freiheit, Geschichten zu erzählen, die wir nicht selbst erlebt haben. Aber hat diese Freiheit auch Grenzen? Darf etwa ein Mann im Roman uneingeschränkt aus der Perspektive einer Frau schreiben?

Über die Frage, wer welche Geschichte unter welchen Umständen erzählen darf, hat es in den letzten Jahren einen erbitterten Streit gegeben. Für die einen handelt es sich um ein wichtiges politisches Anliegen, das dazu dienen soll, denjenigen, deren Stimme bisher von anderen okkupiert wurde, das Rederecht zurückzugeben; für die anderen handelt es sich um einen gefährlichen Angriff auf die Freiheit der Kunst im Dienste von Identitätspolitik.

Welche konkreten ethischen und ästhetischen Probleme mit der Verarbeitung fremder Erfahrungen einhergehen können, zeigt sich im Fall des Romans Unvollendete Symphonie von Hans Weigel, in dem, nach Weigels triumphaler Aussage, eine Affäre des Autors mit Ingeborg Bachmann verarbeitet wurde. Die Tatsache, dass dieser Roman aus der Perspektive der Frau erzählt wird, ist einer der Aspekte, die ihn – in den Worten Klaus Amanns – zu einem „unsäglichen Text“ macht.


29. September 2019 • 12:00 Uhr • Alte Feuerwache, Kino
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